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AUTOCHTHONE SPORTARTEN

Ein wichtiges Merkmal der Ureinwohner Gran Canarias machte ihre große Begeisterung für den Sport aus. Viele der damaligen Sportarten werden noch heute ausgeübt, so beispielsweise der kanarische Ringkampf, die sogenannte lucha canaria , der sich durch seinen Edelmut, seinen Mut und seine kunstvolle Praxis auszeichnet. Diese uralte Sportart, gemeinsam mit der der Segelmodalität vela latina, zählen zu den beliebtesten autochthonen Sportarten, die von besonders vielen Sportbegeisterten ausgeübt werden. Es gibt allerdings noch andere Spiele, bei denen der Reichtum und die Vielfalt der vom kanarischen Volk gepflegten Traditionen aufgezeigt werden, so beispielsweise im Falle des Schlagspieles juego del palo (ähnlich dem Fechten, aber unter Einsatz von Schlagstöcken), beim Kampf lucha del garrote (ebenfalls mit einem Knüppel ausgeübt) und der Sportart salto del palo (mit Hilfe eines Stabes wird zum Sprung angesetzt).

Es handelt sich um Disziplinen, die aufzeigen, dass die Ureinwohner der Kanaren eine große Geschicklichkeit im Umgang mit Knüppeln und Stöcken besaßen, um ihre Gegner zu bekämpfen. Weitere Disziplinen, die von einer gewissen Gewandtheit und großem Einsatz zeugen, sind die Sportarten levantamiento de arado (das Anheben eines Pflugs), das Pelotaspiel pelotamano , die kanarische Variante des Bocciaspiels bola canaria, der ländliche Sport des Viehzugs arrastre de ganado , oder auch das kräftezehrende Aufheben und Stossen von kiloschweren Steinen levantamiento y pulseo de piedra . Alle Spiele zeugen von großer Schönheit und einer tiefen volkstümlichen Verwurzelung.

   DER KANARISCHE RINGKAMPF (Lucha Canaria)
Laut historischen Überlieferungen benutzten die Altkanarier den Ringkampf, um alltägliche Konflikte oder Streitigkeiten hinsichtlich des Landbesitzes zu lösen. Der Ringkampf findet auf dem sogenannten terrero statt, eine kreisrunde mit Sand bedeckte Arena.

Hier versuchen jeweils zwei Ringkämpfer anhand von Abwehrhaltungen, Angriffsmanövern und geschickten Griffen den Gegner auszuschalten. Der Ringkampf gilt als beendet, wenn einer der Kämpfer den Boden mit einem anderen Körperteil als den Füßen berührt.
 

Ein eindeutiger Beweis für den Edelmut, der diesen einheimischen Sport auszeichnet und stets die ersten Chronisten und sämtliche Fremde überrascht hat, die einem Kampf beiwohnten, ist die Geste nach Beendigung des Kampfes: Der Sieger reicht dem Verlierer die Hand und hilft ihm beim Aufstehen, umarmt ihn und begleitet ihn schließlich zurück an seinen Platz.

Die Sportkleidung besteht aus einer langen Hose, die bis zum Oberschenkel hochgekrempelt wird und an deren Umschlag der Gegner den Kämpfer festhalten kann. Ein Hemd, das bis unter die Taille reicht, vervollständigt die Kleidung. Schuhe werden nicht verwendet. Die einheimische Sportart wird durch den seit 1943 bestehenden Verband Federación de Lucha Canaria organisiert und auf Gran Canaria durch den Verband Federación Insular de Lucha Canaria vertreten.


  SALTO DEL PASTOR (Hirtensprung)

Die besondere Orografie der Insel Gran Canaria hat dazu geführt, dass die Landbevölkerung sich Mittel und Techniken ausgearbeitet hat, um sich fortbewegen und verschiedene Hindernisse überwältigen zu können, beispielsweise Schluchten, Klippen und Felsvorsprünge. Aus diesen Bedürfnissen heraus entwickelte sich der so genannte "salto del pastor", der Hirtensprung: Mit Hilfe eines langen Holzstabes, der auf Gran Canaria auch garrote (Knüppel) genannt wird und mit einer Metallspitze, dem regatón, versehen ist, die man Lanzenzwinge nennt, kann man den Auf- und Abstieg von Berghängen, Hügeln und Klippen erleichtern. Indem man sich auf diesen Knüppel stützt und springt, gelangt man von einer Seite auf die andere, zum Beispiel im Falle einer Schlucht oder eines Abgrundes, oder klettert über abschüssige Hänge.

Üblicherweise wird der garrote benutzt, indem man die Lanzenzwinge in ein etwas tiefer gelegenes Gebiet stößt und sich dann mit dem Knüppel zur nächsten Stelle hangelt. Der "Sprung" wird so lange wiederholt, wie es nötig ist, um die tiefste Stelle der Schlucht zu erreichen. Man sollte jedoch beachten, dass es viele weitere Sprungarten gibt, die sich auf das Hindernis einrichten, was es zu überwältigen gilt. Einige dieser Sprünge sind so riskant und gefährlich, dass sie Anlass zu wunderschönen Legenden gegeben haben. Beispiele hierfür sind der "Sprung des Verliebten" und "Der halbe Mond".

Sportlich wird der Knüppelsprung bei Wettbewerben eingesetzt, die folgende Aufgaben beinhalten: Das Erklimmen und die Überwindung von Mauern, Schneller Abstieg an Klippen, präzise Sprünge, Stil und Spiele.


  LEVANTAMIENTO Y PULSEO DE LA PIEDRA (Anheben und Stossen von einem Stein)

Das Anheben sieht folgendermaßen aus: Man hebt einen gewichtigen Stein auf Magenhöhe und führt ihn weiter vorbei an Brustkorb und Schultern. Wenn man es schafft, den Stein bis über den Kopf zu stemmen, nennt man diesen Vorgang Levantamiento de piedra y pulseo ("Steinestossen").

Diese sportliche Aktivität kam in der Landbevölkerung gleich einer Freizeitbeschäftigung auf, der nach Beendigung der landwirtschaftlichen Tätigkeiten nachgegangen worden ist. Um seine Stärke und Fähigkeiten aufzuzeigen, variierte man häufig das eigentliche System, indem man den Stein frei und ohne den Körper zu berühren anhob, ihn auf einige Körperteile stützte, den Stein über Schultern und Kopf anhob, ihn nach hinten streckte oder so weit wie möglich von sich entfernt beförderte.

Auch die Gestalt des Steins kann variieren. Normalerweise wurde er nicht bearbeitet und konnte eine abgerundete, ovale oder andere Formen aufweisen. Dementsprechend größer war der Stoss, wenn der Stein schwieriger zu handhaben und zu dominieren war.

Logischerweise muss ein Steinstosser über eine große körperliche Kraft verfügen, dabei möglichst beweglich sein und eine ausgefeilte Technik parat haben, um sich unnötige Kraftakte zu ersparen.


  LEVANTAMIENTO DEL ARADO (Pluganheben)

Die Aktivität liegt darin, einen Pflug anzuheben, der in einigen Fällen bis zu hundert Kilo wiegen kann, und in eine senkrechte Position zu bringen.

Eine weitere Variante besteht darin, den Pflug anzuheben und in einer halb waagerechten Position aufrecht zu halten. Dabei wird eine 380 Grad-Drehung vollzogen, während sich die Person in Hockstellung befindet und den Pflugbalken auf den Oberschenkeln abstützt. Manchmal befindet sich der Pflug in einer senkrechten Position, während er auf dem Kinn, im Mund oder in der Handfläche gestützt wird, oder die Person liegt rücklings auf dem Boden.

Um den Pflug anzuheben wird der über vier Meter lange Pflugbalken in die Hände genommen, wobei die Beine fest auf dem Boden stehen und sich dem Pflug zuwenden. Der Sportler beginnt mit dem Anheben, indem er sich zurücklehnt, um zwischen Körper und Pflug ein Gegengewicht herzustellen. Schließlich erreicht er auf Beckenhöhe eine waagerechte Position und beginnt nun den letzten Teil, den Pflug in die Senkrechte zu heben, wobei er das Gleichgewicht halten muss. In dieser Position werden, je nach Geschicklichkeit des Sportlers, einige der beschriebenen Varianten ausgeführt. Das Absetzen des Pfluges ist möglicherweise der delikateste Teil, denn er wird sehr langsam ausgeführt, indem man den Pflug dem Publikum vorführt. Hin und wieder wird das Absetzen auf halber Höhe angehalten, der Pflug herumgedreht und schließlich ganz sanft auf den Boden zurück befördert, ohne ihn dabei brüsk herunterfallen zu lassen.


  JUEGO DEL PALO (Stabspiel)

Es handelt sich um eine Freizeitaktivität, wobei die Bewegungen mit Hilfe eines Stabes ausgeführt werden. Zwei Spieler simulieren dabei einen Kampf und versuchen sich gegenseitig zu "markieren", bzw. Schläge zu simulieren, die ohne wirklichen Kontakt an ungeschützten Stellen stattfinden.

Das Spiel verlangt Geschicklichkeit, Ausgeglichenheit sowie behände Handgelenke, Arme, Hüften und Füße. Während des Spiels fallen besonders die Ansehnlichkeit der seitlich geneigten Körper der Spieler, oder die charakteristischen Kreishiebe ins Auge, die mit dem Stab ausgeführt werden, indem er an einem seiner Enden gepackt wird.

Zu den technischen Merkmalen zählen die so genannten cuadras, die den Positionen entsprechen, die von den Spielern eingenommen werden, die atajes und paradas, die zur Verteidigung dienen, und schließlich die mandados und tirados, Techniken, die beim Angriff mit dem Stab eingesetzt werden. Diese werden durch die Art der Ausübung und durch den Teil des Stabs klassifiziert, der den Schlag markiert, beziehungsweise anzeigt.

 

Zu den technischen Merkmalen zählen die so genannten cuadras, die den Positionen entsprechen, die von den Spielern eingenommen werden, die atajes und paradas, die zur Verteidigung dienen, und schließlich die mandados und tirados, Techniken, die beim Angriff mit dem Stab eingesetzt werden. Diese werden durch die Art der Ausübung und durch den Teil des Stabs klassifiziert, der den Schlag markiert, beziehungsweise anzeigt.

Der Schlag, der hinsichtlich seiner Größe differiert, muss über besondere Merkmale verfügen. Das gilt sowohl für die Auswahl, als auch für die Fertigung, damit die Stäbe resistent und leicht zu handhaben sind.


  LUCHA DEL GARROTE (Knüppelkampf)

Für den Hirten war der Knüppel seit jeher ein äußerst nützliches Werkzeug, denn er nutzte den Knüppel auf seinem Weg, um sich auf dem Boden abzustützen. Teilweise diente der Knüppel bei verschiedenen Gelegenheiten aber auch zu seiner Verteidigung.

Bei diesem Kampf gilt es, den Gegner zu besiegen, ohne ihm körperlichen Schmerz zuzufügen. Herausragend sind die einzigartigen enganches (Techniken zur Entkräftung des Gegenpols) und revoleadas (hiermit wird der Angriff eröffnet) sowie zapatas und trabas, die eingesetzt werden, um den Gegner zum Fall zu bringen, die frontale Aufstellung des Knüpplers und der Einsatz eines großen und starken Knüppels, dessen Abmessungen demjenigen entsprechen müssen, der ihn trägt, oder ein Viertel über dessen Kopf herausragen. Dennoch wird die Modalität nicht durch die Größe der Stöcke bestimmt, sondern durch die Art, den Knüppel zu bewegen und am Griff zu fassen.

Das taktische Prinzip besteht darin, den Knüppel zur Deckung und gleichzeitig Schlagen einzusetzen, weshalb der Körper frontal zum Gegner positioniert werden muss, da diese Stellung als besonders stabil und sicher gilt. Sie ermöglicht dem Kämpfer einen gewissen Schutz hinter dem Knüppel; gleichzeitig können beide Enden mit Hilfe der beiden charakteristischen Bewegungen eingesetzt werden, die unter den Bezeichnungen "bracco" und "mudar las manos" (die Hände bewegen) bekannt sind.


  ARRASTRE DE GANADO (Viehziehen)

Es handelt sich um eine ländliche Tätigkeit, die mit Tieren ausgeübt wird, im konkreten Fall mit Kühen und Stieren. Dabei muss man in schnellstmöglicher Zeit über ein Stück Land laufen, wobei der Lauf durch ein Gewicht erschwert wird, das hinter einem hergezogen wird und von der jeweiligen Kategorie abhängt (600 bis 800 kg bei einem Kuhgespann und 800 bis 1.100 kg bei einem Stiergespann).

Die Geschicklichkeit des Sportlers, der unter der Bezeichnung Kuh- oder Ochsentreiber bekannt ist, die Stärke des jeweiligen Gespanns, die Bodenbedingungen, die Behandlung der Tiere, die man weder während noch nach dem Wettbewerb bestrafen darf, verleihen dieser Verbindung zwischen Mensch und Tier eine einmalige Schönheit.

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